Stories / Märs 2026

Die Macherin

Maragda Farràs über Entorns, lokales Wissen und das kreative Zusammenwirken mit dem Land.

Maragda Farràs ist in den Ausläufern der Serra del Cadí aufgewachsen und dann für ihr Industriedesign-Studium nach Barcelona gezogen. Am Ende ist sie den umgekehrten Weg gegangen. Sie hat ein Haus in Familienbesitz renoviert und Entorns gegründet, eine Residenz für Künstlerinnen und Künstler, in der unter Einbeziehung der Ressourcen, Geschichten und Traditionen des Landes gemeinsam mit Nachbarinnen und Nachbarn gearbeitet wird.

Maragda, du hast Industriedesign studiert.
In welcher Verbindung steht das mit dem, was du jetzt tust?

Maragda: Ich habe Produktdesign studiert, mich mit Materialien und Herstellungsprozessen beschäftigt. Heute übertrage ich diese Kenntnisse auf lokale Materialien und lokales Wissen. Mich interessiert vor allem, welche Ressourcen uns umgeben und wie wir diese im Alltag nutzen können. Heute wird alles online bestellt, und man denkt nicht darüber nach, woher die Dinge kommen. Gleichzeitig gehen immer mehr handwerkliche Kenntnisse und traditionelle Praktiken verloren. Deshalb versuche ich, diese Materialien und dieses Wissen mit heutiger Gestaltung zu verbinden.

Ist es das, was du bei Entorns machst?

Genau, Entorns ist eine Residenz und ein kreativer Raum für Künstlerinnen und Künstler. Bei uns werden vor allem Kreative aus den Fachgebieten bildende Kunst und Design untergebracht, aber eigentlich ist jeder willkommen. Die Kunstschaffenden können kommen und ihre Projekte entwickeln, dabei ist aber wichtig, dass ihre Arbeit in Verbindung mit dem Land oder der Gemeinde steht.

„Immer mehr handwerkliche Kenntnisse und traditionelle Praktiken gehen verloren. Deshalb versuche ich, diese Materialien und dieses Wissen mit heutiger Gestaltung zu verbinden.“

Maragda Farràs

Kannst du einige Beispiele für Projekte nennen, die sie umsetzten?

Bei einigen geht es um lokale Geschichten oder Traditionen. Viele haben mit Materialien zu tun. Eine Künstlerin oder ein Künstler möchte vielleicht die hier vorhandenen Holzarten erkunden oder mit lokaler Wolle, Stein oder Bienenwachs arbeiten. Sie bringen ihre eigene Erfahrung und Praxis mit, nutzen aber das Wissen und die Materialien dieses Ortes, um etwas Neues zu schaffen.

Die Kunstschaffenden bringen also ihre eigene Praxis ein, und das Land stellt die Materialien.

So ist es. Und die Menschen hier teilen ihr Wissen. Dieser Teil ist besonders wichtig. Wir vernetzen die Künstlerinnen und Künstler mit Nachbarn und handwerklich tätigen Menschen, die bereits ihr ganzes Leben mit diesen Materialien gearbeitet haben. Jemand ist vielleicht Bildhauerin oder Bildhauer, hat aber noch nie mit Granit gearbeitet, der hier sehr verbreitet ist. Wir bringen dann diese Person mit jemandem zusammen, der weiß, wie man ihn bearbeitet und wie sich das Material verhält. Oder ein mit Holz arbeitender Kreative lernt von einer Nachbarin oder einem Nachbarn, welches Holz für Decken verwendet wurde, welches für Möbel und warum.

Auf deiner Website heißt es: „Wir schaffen im Einklang mit der Natur, nicht über sie hinweg.“ Was genau bedeutet das?

Es bedeutet, Anwohner, Materialien und ihre Geschichten direkt in den Prozess zu integrieren. Im Einklang schaffen, bedeutet Dialog, Interaktion, gemeinsames Gestalten. Lange Zeit haben ländliche Räume als der zeitgenössischen Kultur nicht zugehörig gegolten, als ob Kunst nur in die Städte gehören würde.Ich möchte diese Beziehung heilen, Und ich würde sogar das Gegenteil behaupten: Hier fehlt es an nichts.

Es ist hier so viel Wissen vorhanden, es gibt so viele Ressourcen. Daraus und damit können wir bemerkenswerte zeitgenössische Arbeiten schaffen - und sie nicht nur in Museen bewahren.

Du gehst vorsichtig mit dem Begriff der Bewahrung um. Warum?

Weil Bewahrung manchmal bedeuten kann, etwas in eine Kiste zu legen und nicht mehr anzufassen. Ich will das nicht. Ich möchte, dass Traditionen genutzt, hinterfragt und neu gestaltet werden. Wenn man versteht, wie und warum etwas gemacht wurde, kann man damit spielen und es an die Gegenwart anpassen. So bleibt es am Leben. Wenn Menschen an etwas Freude haben und es benutzen, wertschätzen sie es mehr.

Ein Löffel ist ein gutes Beispiel. Er wurde auf eine bestimmte Weise hergestellt, weil Menschen es ausprobiert, daran gescheitert und es immer wieder angepasst haben. Wenn man diese ganze Geschichte kennt, kann man sie mit den Ressourcen, die wir heute haben, erneut weiterentwickeln.

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„Wenn man versteht, wie und warum etwas gemacht wurde, kann man damit spielen und es an die Gegenwart anpassen. So bleibt es am Leben.“

Maragda Farràs

Wie beeinflusst das Leben in enger Verbindung mit der Natur deinen Alltag?

Die Jahreszeiten. Das ist eine der größten Lektionen für mich gewesen. Hier merkt man sie sehr deutlich. Im Sommer ist alles offen und lebendig. Im Winter wirkt alles still, nicht tot, nur verborgen. Dadurch wird man daran erinnert, dass man nicht das ganze Jahr über auf seinem Höhepunkt sein muss. In der Stadt bleibt der Rhythmus ständig gleich - immer dasselbe Tempo, dasselbe Licht, dieselben Erwartungen. Hier sagt dir die Natur: Jetzt ist es dunkler. Es ist kälter. Ruhe dich aus. Überwintere.

Hat die Natur einen Einfluss darauf, wie du für dich selbst sorgst?

Einen ganz erheblichen sogar. Draußen zu sein hilft mir mental. Kaltes Wasser zum Beispiel hat mir sehr geholfen. Als ich Entorns aufgebaut habe, habe ich unter großem Stress gestanden - ein neues Projekt, Kredite, Druck. Ich bin oft zum Fluss gegangen. Eines Tages bin ich laufen gegangen, dann in den Fluss gesprungen und habe laut geschrien. Danach war ich ein neuer Mensch. Unterschiedliche Perspektiven, nach dem Motto: „Okay, mein Kopf ist voll, aber alles ist in Ordnung“. Der Fluss ist immer noch da. Die Vögel singen. Das Leben geht weiter. Ich habe wieder zu mir selbst gefunden.

Welche Rolle spielt die Bewegung bei dieser Verbindung?

Das letzte Mal bin ich während der Transhumanz laufen gegangen, als die Pferde vom Berg heruntergeführt wurden. Wir sind mit ihnen gelaufen, haben gerufen und gelacht. Das war unglaublich.

Hier zu leben bedeutet, dass Bewegung Teil des Alltags ist. Die Natur gibt dir ein Gefühl von Freiheit.

Freiheit wovon?

Frei von ständiger Sorge zu sein. Frei vom Gefühl, dass alles von Arbeit, Geld, Produktivität abhängt. In der Stadt ist Geld deine einzige Ressource. Wenn du deine Arbeit verlierst, bricht alles zusammen. Hier sind die Ressourcen anders verteilt. Holz, um dein Haus zu heizen. Pflanzen. Sonne. Fähigkeiten. Man hat das Gefühl, mehr Mittel zum Leben zur Verfügung zu haben.

Und über die praktische Seite hinaus gibt es eine mentale Freiheit. Wenn man draußen ist, sich bewegt, atmet, zuhört, dann wird man vom Lärm im eigenen Kopf befreit.

Das ist ein wichtiger Grund dafür, warum ich mir dieses Leben aufgebaut habe - um mit dem verbunden zu sein, was wirklich ist.

„Hier sind die Ressourcen anders verteilt. Holz, um dein Haus zu heizen. Pflanzen. Sonne. Fähigkeiten. Man hat das Gefühl, mehr Mittel zum Leben zur Verfügung zu haben.“

Maragda Farràs

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